Autor: Jérôme Jähnig

  • Sie äußern eine Meinung.

    Ich stimme nicht zu.

    Ich soll schweigen.

    Ich äußere eine Meinung.

    Sie stimmen nicht zu.

    Ich soll schweigen.

  • Ich hatte damals nur wenig gelesen –
    war ein bequemer, fauler Leser.
    Glotzte lieber ins Flimmern.
    Tauchte in Spielwelten.
    Verzockte Zeit.
    Eskapismus.

    Verdrängung.
    Leben betäuben.
    Nichts wirkte mehr.
    Flackernd rissen Pixel hinab.
    Schriften zogen gnädig nach oben.
    Geschriebenes grub aus und legte frei.

    Gefunden im Schwarz auf weißem Grund.
    Blut, Schweiß und Tränen gedruckt.
    Fremde Existenzen berühren.
    Durch Visionen wandern.
    Anderswo spüren.
    Befreiung.

    Schreiben.
    Lücken füllen.
    In Ritzen leuchten.
    Bebend und Bibbernd hoffen.
    Mauern brechen und Wege zeichnen.
    Vererbte Fesseln und blaue Blumen enthüllen.

  • Ich schreib nicht für die Masse,
    denn was ich hasse,
    ist: Konform zu sein.
    Zwing mich nirgends rein.

    Hab nie Romane seziert,
    nie Gedichte interpretiert.
    Bei mir gibt’s harte Reime,
    kein weichgespültes Geschleime.

    Feiert! Feiert!
    Hier wird nicht verschleiert,
    nicht lächerlich rumgeeiert,
    nicht verwässert
    und nie endlos verbessert.

    Ich sag, wie’s ist,
    zeige verrotteten Mist.
    Kein doppelter Boden –
    ich brauch kein Loben.

    Mit einem Gedicht
    hab ich die Pflicht,
    die Menschen zu bewegen –
    und bei Bedarf zu zerlegen.

    Na klar,
    das ist nicht immer nett,
    doch brechen muss das Brett.
    Der Ton wird auch mal rauer,
    doch fallen muss die Mauer.

    Mockiert.
    Schockiert.
    Brütend.
    Wütend.

    Wird Zeit, dass ich vertone.
    Bin ehrlich. Bin frei.
    Die Zeit ist jetzt vorbei,
    dass ich uns schone.

  • Ein Schauspieler ist ein Mensch, dem es gelungen ist,
    die Kindheit in die Tasche zu stecken und
    sie bis an sein Lebensende darin aufzubewahren.

    Max Reinhardt

    Wo und wann ich dieses Zitat gelesen habe, weiß ich leider nicht mehr, aber ich erinnere mich an die Gefühle die es auslöste: Eine tiefe Zustimmung und Begeisterung, die immer dann auftreten, wenn man einen Satz von jemandem liest, der ein Gefühl, eine Wahrheit genau so formuliert, wie man es selbst schon immer sagen wollte, einem aber die Worte fehlten.

    Ich würde gerne sagen, dass Schauspiel schon immer ein Teil meines Lebens war – aber das wäre gelogen. Ich war zwar schon immer begeistert von Filmen, aber das Umfeld in dem ich aufwuchs gab mir leider keine Inspirationen und keinen Mut mich künstlerisch auszudrücken. Im Laufe meiner Jugend habe ich dann meinen kindlichen Spieltrieb nicht behutsam in meine Tasche gesteckt, sondern verlegt. Obwohl ich überall im Kino, im Fernsehen und im Theater Schauspiel sah, war es immer etwas was nur andere erreichen konnten, nicht ich. Erst im Alter von 28 Jahren hatte ich genug Mut aufgebaut, um mir endlich den Jugendtraum vom Schauspiel zu erfüllen und einer Theatergruppe beizutreten. Auch wenn zu Beginn die Hemmungen, sich zu öffnen und den Spieltrieb zuzulassen, noch groß waren, so fühlte ich ziemlich schnell, dass die Schauspielkunst das künstlerische Handwerk ist, welche eine tiefe Resonanz in mir erzeugt und sich einfach richtig anfühlt.

    Seit 2016 ist das Schauspiel ein fester Bestandteil meines Lebens und wird es auch für immer bleiben. Ich habe meinen kindlichen Spieltrieb wieder gefunden und will diesen nie wieder verlieren. Schauspiel ist für mich mehr als nur in andere Rollen schlüpfen, es ist vielmehr das Erforschen der verschiedenen Anteile meiner Persönlichkeit. Es ist, in Kontakt treten mit den hellen und dunklen Seiten meiner Seele – und diese dann ausdrücken. Unsere Gesellschaft legt uns in vielerlei Hinsicht Ketten an, doch beim Schauspiel können diese zeitweise abgelegt werden und ein entferntes Gefühl von Freiheit gelebt werden, welches dann auch in den Alltag mitgenommen wird.